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Umfrage 2007

DIHK-Studie zu Erwartungen von Unternehmen an Hochschulabsolventen

Der Fachkräftemangel droht zum zentralen Engpass für die deutschen Unternehmen zu werden. Deshalb ist gute Bildungspolitik die beste Wirtschaftspolitik. Für die betriebliche Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte sind dabei vor allem die Unternehmen selbst verantwortlich und in der Pflicht. Anders ist das bei Akademikern, als ebenfalls wichtigem Nachwuchs für die Unternehmen. Hier kommt es entscheidend auf die Qualität der Hochschulen an. Deshalb haben wir die Rolle der Hochschulen bei der Qualifizierung unserer Fachkräfte unter die Lupe genommen.

Im Herbst 2007 hat der DIHK 2135 Unternehmen gefragt, welche Kompetenzen Hochschulabsolventen haben sollen und welche Erfahrungen sie mit Bachelor- und Masterabsolventen machen. Wir wollten auch wissen, ob und wie Unternehmen mit Hochschulen zusammenarbeiten.
Hier die zentralen Ergebnisse.

Unternehmen bewerten Teamfähigkeit als wichtigste Kompetenz, die Hochschulabsolventen beim Berufseinstieg mitbringen sollen.

Das sagen uns 71 Prozent. Ebenso wichtig ist für Betriebe, dass Berufseinsteiger selbständig arbeiten können, Einsatzbereitschaft zeigen und gut kommunizieren können.
Arbeitsprozesse in Betrieben finden überwiegend im Team statt. Denn Innovationen und neue Ideen kommen dadurch zustande, dass Fachleute unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten. Deswegen brauchen wir junge Leute, die damit von Anfang an zurechtkommen. Hochschulen müssen daher noch stärker als bisher Schlüsselkompetenzen vermitteln. Dabei geht es nicht um zusätzliche Kurse in Soft Skills, sondern um selbstverständliches Lernen im Team. Projektarbeiten in Gruppen sind dafür eine Möglichkeit. Wenn Unternehmen den Stellenwert der Schlüsselkompetenzen betonen, ist ihnen Fachwissen nicht unwichtig. Es wird bei Hochschulabsolventen als selbstverständlich vorausgesetzt. Konkret bedeutet dies: Wenn sich zwei fachlich gleich gute Absolventen in einem Unternehmen bewerben, bekommt der den Zuschlag, der mehr Soft Skills besitzt. Persönlichkeit ist also das Salz in der Suppe.

Die Fähigkeit, Wissen in der betrieblichen Praxis anzuwenden, ist von zentraler Bedeutung.

Das zeigt sich an zwei Punkten: 38 Prozent der Unternehmen haben
sich in der Probezeit bereits wieder von einem Hochschulabsolventen getrennt. In erster Linie deshalb, weil diese das theoretisch Erlernte im Unternehmensalltag nicht umsetzen konnten. Außerdem hat die Umfrage ergeben, dass Absolventen von Berufsakademien und Fachhochschulen, die bekanntermaßen praxisnah ausbilden, besonders gern eingestellt werden: Obwohl nur jeder vierte Studierende von Fachhochschulen kommt, ist in der Wirtschaft fast jeder zweite der neu eingestellten Bewerber aus diesem Bereich.
Praxisphasen müssen daher fester Bestandteil von Studienordnungen sein. Es sollten mehr Studenten als bisher durch Praktika und
Werkverträge einen Einblick in die betriebliche Realität erhalten. Die Betriebe
profitieren auch selbst von diesem Engagement. Denn sie können damit Studierende in Zeiten des Fachkräftemangels frühzeitig an das Unternehmen binden.

Die Absolventen der neuen Studiengänge, also der Bachelor- und Masterausbildungen, werden von den Unternehmen durchaus positiv bewertet.

Rund zwei Drittel zeigen sich zufrieden. Allerdings hat bislang erst eine Minderheit der befragten Betriebe überhaupt Erfahrungen mit den Absolventen neuer Abschlüsse gemacht. Zudem zeigt sich immer noch jedes dritte dieser Unternehmen skeptisch.
Das zeigt, dass Hochschulen bei der Reform noch mehr als bisher die Studieninhalte kritisch unter die Lupe nehmen müssen und nicht etwa nur das ehemalige Vordiplom mit dem Bacheloretikett versehen dürfen. Es macht auch keinen Sinn, über alle Fächer hinweg die Länge des Bachelor auf sechs Semester und den anschließenden Master auf weitere vier Semester festzulegen. In manchen Bereichen, z. B. in Ingenieurstudiengängen muss ein Bachelorstudium eher bis zu acht Semester dauern, damit die Absolventen den Anforderungen der Unternehmen genügen.

Über 50 Prozent der an der Umfrage beteiligten Betriebe arbeiten bereits mit Hochschulen zusammen und viele wollen diese Zusammenarbeit weiter ausbauen.

Unternehmer vergeben Diplomarbeiten, arbeiten in dualen Studiengängen mit
oder unterrichten an Hochschulen. Die Wirtschaft ist also bereit, die Hochschulen aktiv zu unterstützen. Leider gelingt dies nicht immer, weil nicht alle Hochschulen die Angebote von Betrieben zur Zusammenarbeit richtig aufgreifen. Die Hochschulen müssen nachbessern: Zum Beispiel geben 15 Prozent der befragten Betriebe an, bisher keinen Ansprechpartner an ihrer Hochschule zu kennen. Weitere Unternehmen haben bereits mindestens einen erfolglosen Versuch unternommen, eine Zusammenarbeit zu initiieren.
Die IHK-Organisation fordert daher die Hochschulen auf, mehr Partnerschaften
aufzubauen. Hochschulen sollten dabei die Koordination übernehmen, denn gerade kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen brauchen deren Knowhow für die Zusammenarbeit. Die IHKs stehen als Partner für die Anbahnung von Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen ebenfalls bereit.

Die Umfrage zeigt, welche Reformen in den Hochschulen aus Sicht der Wirtschaft
wichtig sind. Um diese zu ermöglichen, ist auch die Politik in der Pflicht. Die Länder haben nach der Föderalismusreform die alleinige Verantwortung für die Hochschulpolitik übernommen. Nun müssen sie gemeinsam mit den Hochschulen auch verbindlich für die Qualität der Hochschulausbildung bürgen. Hochschulen brauchen weitgehende Entscheidungsgewalt über Organisation, Personal und Finanzen sowie eine verlässliche staatliche Grundfinanzierung. Gleichzeitig müssen Hochschulen über die Höhe von Studiengebühren frei entscheiden können, damit ein Wettbewerb um Studienqualität entsteht.

Die Broschüre kann beim DIHK angefordert werden. Hochschulumfrage 2007
Hochschulumfrage 2004 als Download

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