Wege in die Berufsausbildung
Was möchte ich später einmal werden? Diese Frage hat sich wohl jeder schon mindestes einmal gestellt. Und wenn es euch so geht wie mir, dann habt ihr sie oft unterschiedlich beantwortet. Ich wollte eigentlich immer Lehrerin werden, bin aber Bürokauffrau geworden. Meine Freundin wollte immer Streetworker werden – heute ist sie Kundenberaterin in der Bank. Wie ihr seht ist die Frage nach der richtigen Berufausbildung manchmal ein Weg mit vielen Kreuzungen. Der Besuch von Ausbildungsmessen, ein Gespräch mit dem Berufsberater oder ein Praktikum können bei der Qual der Wahl eine wichtige Entscheidungshilfe sein.
Vielleicht habt ihr schon davon gehört, dass viele Betriebe händeringend nach Bewerbern suchen. Viele Stellen bleiben nach Bewerbungsschluss unbesetzt. Daher ist es wichtig, dass ihr eure Potenziale erkennt und euch bei dem Findungsprozess unterstützen lasst.
Erfahrungsberichte
Peter:
Während der Schulzeit war ich mir ziemlich unsicher, welchen Beruf ich später einmal ausüben möchte. Die meisten meiner Freunde wollten nach dem Abitur studieren. Ich aber wollte lieber Geld verdienen. Zum Glück mussten wir uns in der 11. Klasse alle einen Praktikumsplatz suchen. Eigentlich mehr aus Bequemlichkeit als mit Verstand suchte ich mir ein Praktikum bei der Bank um die Ecke. Nach einem persönlichen Gespräch hatte ich meinen Praktikumsplatz. Das war gar nicht so schwer, wie ich anfangs dachte. Das Praktikum lief super, alle waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden. Am Ende bekam ich sogar einen Ausbildungsplatz angeboten. Diese Aussichten haben mich motiviert weiter die Schulbank zu drücken und einen guten Abschluss zu machen. Heute bin ich Mitarbeiter dieser Bank und studiere noch nebenher. Eine Ausbildung zu machen war die richtige Entscheidung, denn neben dem Studium habe ich zusätzlich Berufserfahrung vorzuweisen.
Michaela:
Eigentlich wollte ich immer Lehrerin werden, aber der Weg dorthin erschien mir als 19-Jährige unendlich weit weg. So bewarb ich mich nach dem Abitur für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. In der Gastronomie zu arbeiten war schon immer ein Hobby von mir gewesen. Es dauerte nicht lange bis ich merkte, dass dieser Beruf nicht das Richtige für mich ist. Ich war überqualifiziert und auch der strenge Umgangston unter den Hotelangestellten war mir fremd. Noch in der Probezeit kündigte ich meine Ausbildungsstelle. Zum Glück habe ich tolle Eltern, Freunde und Bekannte, die mich auf Zeitungsartikel und Stellenanzeigen aufmerksam machten. Nach einigen Bewerbungsschreiben hatte ich eine neue Ausbildungsstelle als Bürokauffrau gefunden. Das Arbeiten im Büro und das Erlernen von kaufmännischen Hintergründen forderte mich und machte mir Spaß.
Julia:
Ich muss ehrlich zugeben, ich habe nicht lange nach einer Ausbildungsstelle gesucht. Da ich nach meinem Schulabschluss noch keine Ahnung hatte, welchen Beruf ich erlernen möchte, habe ich Initiativbewerbungen geschrieben, das heißt, es waren keine Ausbildungsstellen ausgeschrieben, ich habe auf gut Glück meine Bewerbung zum Unternehmen geschickt. Mein Ziel war es, Geld zu verdienen und auf eigenen Beinen zu stehen. Heute weiß ich, dass eine Berufsausbildung im kaufmännischen Bereich genau das Richtige für mich war.
Tanja:
Heute würde ich einen Ausbildungsplatz über das Internet suchen, meine Bewerbungsunterlagen aufpeppen und mich vor allem mehr über meinen Ausbildungsberuf und das Unternehmen informieren. Ich würde mich von der Agentur für Arbeit beraten lassen, zu verschiedenen Informationsveranstaltungen gehen und vor allem ein Praktikum in verschiedenen Berufsfeldern machen. Wahrscheinlich hätte sich so im Vorfeld schon gezeigt, welche Interessensschwerpunkte ich habe und was ich am besten kann. Damals habe ich mich einfach für alle Ausbildungsberufe – auch mehrere in einem Unternehmen – beworben, die mir geboten wurden. Das war ein Fehler, denn die erste Ausbildung habe ich abgebrochen und die Zweite gerade so geschafft.
Leah:
Heute weiß ich, als Praktikantin konnte ich den Betrieb und das Klima des Unternehmens wie auf einer Spielwiese kennen lernen und meine Fähigkeiten testen. Ich muss zugeben, ich war eine unmotivierte Schülerin. Meine Noten waren schlecht und mein Interesse beschränkte sich auf meine Clique. Die Situation Verantwortung zu übernehmen fühlte sich fremd an. Mir war richtig unwohl dabei. Ständig wurde an mir herumkritisiert „warum kommst du so spät, du musst aktiver werden, pass dich bitte dem betrieblichen Alltag an“ usw. Am liebsten hätte ich alles hingeschmissen. Zum Glück habe ich es nicht getan. Heute bin ich selbst Mitglied eines Teams und merke wie wichtig motivierte Mitarbeiter sind.
Sabine:
Ich glaube ich bin nicht die Einzige, wenn ich sage, dass ich auch nach der zehnten Klasse noch nicht wusste, was ich beruflich machen soll. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Möglichkeit einer Berufsausbildung und dem Bestreben Abitur zu machen. Irgendwie habe ich innerlich schon geahnt, dass die erste Variante die Richtige für mich ist, aber die meisten meiner Freunde sind weiter auf die Schule gegangen und so tat ich das auch. Dieser Weg war eine Fehlentscheidung, denn es dauerte nicht lange und meine Noten gingen den Bach runter. Als ich mich schließlich aufraffen konnte und anfing Bewerbungen zu schreiben, musste ich feststellen, dass die meisten Ausbildungsstellen bereits vergeben waren. Ich bekam reihenweise Absagen. Letztendlich habe ich zwar eine Ausbildungsstelle in einem kleinen Betrieb gefunden, jedoch wäre ich lieber in eine große Firma gegangen.